Einen denkmalgeschützten Industriebau attraktiv in ein zukunftsweisendes Stadtquartier einzubinden, ist eine besondere Herausforderung, die nur derjenige meistert, der Innovation und handwerkliche Tradition zugleich beherrscht. Beim denkmalgeschützten Hauptgebäude von Bülachguss zeigten wir eindrucksvoll, wie das gelang.
Auch die Vergangenheit hat eine Zukunft – zumindest im 20 000 Einwohner zählenden Bülach. Denn obwohl die Produktion von Eisen und Glas auf dem Areal der Bülachguss AG schon längst eingestellt wurde, bot sich hier einzigartige Perspektive. Denn auf nicht weniger als 55 000 m2 Fläche entstand ein von Grund auf neu konzipiertes, grosses Quartier mit Hunderten von Miet- und Eigentumswohnungen, weitläufigen Büro- und Gewerbeflächen, Läden und einem öffentlich zugänglichen Park. Doch bei aller Modernität gerät die Historie nicht in Vergessenheit. Die unter Denkmalschutz stehende West- und Südfassade sowie das Holztragwerk der prachtvollen, alten Gussputzereihalle bleiben der Nachwelt erhalten und erinnern an die industrielle Vergangenheit des Quartiers. Diesen Bau architektonisch und technisch perfekt zu integrieren, stellte höchste Ansprüche an Itten + Brechbühl und Aepli Metallbau.
Download Objektbericht 02/19Das markante, denkmalgeschützte Hauptgebäude des Areals wurde mit seinem prägenden Charakter zum lebendigen Ort der Begegnung des neuen Quartiers. Da Teile wie die Süd- und Westfassade sowie das Holztragwerk besonders geschützt sind, wurde der Umbau in enger Kooperation mit den Behörden realisiert. Und technisch auf heutige Ansprüche hin adaptiert. Hier war Know-how besonders beim komplexen Teilrückbau und den Sicherungsarbeiten an der bestehenden Substanz gefordert. Ein gutes Beispiel dafür sind die wunderschönen, filigranen Fensterfronten der ehemaligen Fabrikhalle. Diese wurden originalgetreu nachgebaut und erinnern den Betrachter an alte Kirchenfenster. Um die für Aepli Metallbau typische, makellose Ausführungsqualität und eine effiziente Montage zu garantieren, wurden die Pfosten-Riegel-Elemente im Werk vorgefertigt. Jeweils zwei dieser Elemente wurden dann vor Ort zu einem grossen Element zusammengefügt. Für die Umsetzung adaptierte Aepli Metallbau ein bestehendes Profilsystem von Schüco, das in objektspezifische Profile gepresst wurde. Zudem Bestückten sie einige Bereiche der Fassade mit undurchsichtigen Gläsern, was den originalgetreuen Charakter des Ganzen zusätzlich unterstreichte.
Normalerweise wird die Aepli-Air-Control(AAC)-Fassade sowohl aus energetischen Gründen als auch aus dem Aspekt einer hocheffizienten Wartung heraus eingesetzt. Doch bei diesem anspruchsvollen Projekt muss diese bewährte Fassade noch einiges mehr können. Und zwar, weil sich der Bauherr im Kopfbereich des ehemaligen Hauptgebäudes eine maximale Nutzungsfreiheit offenlassen will. Sogar der Betrieb eines Clubs ist hier denkbar, was selbstverständlich deutlich höhere Anforderungen bezüglich des Schallschutzes zur Folge hat. Ein Schallschutz also mit umgekehrten Vorzeichen, denn diesmal sollte die Fassade nicht das Innere des Gebäudes vor eindringendem Lärm schützen, sondern die Umgebung draussen vor Lärm von drinnen. Da Schall bekanntlich durch die Luft transportiert wird, erzielte unsere AAC-Fassade mit ihrem leichten Überdruck zwischen den beiden Glasscheiben in diesem Bereich ausserordentlich gute Ergebnisse. Neben einer geräuscharmen Umgebung hielt unsere innovative Fassade noch einen weiteren wertvollen Effekt bereit: Sie erfüllte den Minergie-Eco-Standard.
«Das Tolle bei diesem Projekt war, dass wir unser ganzes Leistungsspektrum zeigen konnten: von traditioneller Handwerkskunst für die superfiligranen Fensterfronten bis hin zu technologisch führenden Elementen wie die AAC-Fassade.» – Fabio Billi, Projektleiter
Für Fabio Billi war dieses spannende, aber herausfordernde Projekt ein Déjà-vu. Denn während seiner Ausbildungszeit als Maschinenbau-Konstrukteur bei Saurer Sticksysteme (Arbon) absolvierte er auch ein zweiwöchiges Praktikum bei der Benninger AG in Uzwil. Und zwar in der Giesserei. «Mir dröhnt noch heute der Kopf vom Stampfen des hitzebeständigen Sandes für die Gussformen», meinte er anlässlich unseres Interviews schmunzelnd.
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